
pobieranie * pdf * do ÂściÂągnięcia * download * ebook
Podobne
- Strona startowa
- Balzac Honore Dwaj poeci
- Rice Anne The Vampire Lestat [en]
- McClure Ken Spirala pandory
- Frank Herbert The eyes of Heisenberg
- Armentrout Jennifer L. Onyx . Tom 2
- Honor 02 Honor Bound Radclyffe
- stud service 2 strictly accountable
- James Peter Proroctwo
- Carol Higgins Clark Quattro Diamanti Per Un Delitto
- śÂšw. Tomasz z Akwinu 14. Suma Teologiczna Tom XIV
- zanotowane.pl
- doc.pisz.pl
- pdf.pisz.pl
- acwpower.xlx.pl
[ Pobierz całość w formacie PDF ]
tiefe Elend, das durch die Wohnung angedeutet wurde,
denn für ihn war Adelaides Antlitz von einer leuchtenden
Atmosphäre umgeben. Er antwortete kurz auf die Fragen,
die an ihn gerichtet wurden und die er glücklicherweise
hörte, denn es ist eine eigentümliche Fähigkeit unseres
Geistes, daß er sich bisweilen gewissermaßen verdoppeln
kann. Wem ist es nicht schon vorgekommen, daß er in
ein angenehmes oder trauriges Nachdenken versunken,
die Stimme seines Innern hörte und doch zu gleicher Zeit
an einer Unterhaltung teilnahm oder ein Buch las? Es ist
das ein wundersamer Dualismus, der oft dazu beiträgt,
daß wir die Langweiligen mit mehr Geduld ertragen. Sei-
ne Hoffnung erfüllte ihn mit tausend Gedanken an das
Glück, und er wollte nichts beobachten, was ihn umgab,
denn er hatte noch ein kindliches und vertrauensvolles
Herz.
Nach Verlauf einiger Zeit bemerkte er, daß die alte Dame
und ihre Tochter mit dem alten Edelmann spielten. Der
Trabant des Letzteren blieb seinem Stande als Schatten
treu, stand hinter seinem Freunde, betrachtete dessen
Spiel und antwortete auf die stummen Fragen, die der
Spieler an ihn richtete, durch billigende Winke, die nur
eine Wiederholung der fragenden Bewegung seiner dop-
pelgängerischen Verkörperung waren.
"Ich verliere immer& !" sagte der Edelmann.
59
"Sie werfen falsch ab& !" anwortete die Baronin von
Rouville.
"Seit drei Monaten habe ich Ihnen nicht eine einzige Par-
tie abgewinnen können& " sagte er.
"Haben Sie die Aß?" fragte die alte Dame.
"Ja," antwortete er.
"Soll ich Ihnen einen Rat geben?" fragte Adelaide.
"Nein, nein& ! Bleib mir gegenüber! Palsambleu! Ich
verlöre zu viel, wenn ich dich nicht mehr vor mir sähe."
Endlich war das Spiel beendet, der Edelmann zog seine
Börse und warf zwei Louisdor auf den Tisch, während er
nicht ohne einigen Unwillen sagte: "Vierzig Franken!
Gerade zwei Louis& ! Ha! Teufel! Es ist elf Uhr& !" "Es
ist elf Uhr& !" wiederholte die stumme Person mit einem
Blick auf Hippolyt Schinner.
Der junge Mann hörte diese Worte etwas deutlicher als
alle übrigen und dachte, daß es Zeit sei, sich zu entfer-
nen. Er kehrte nun in die Welt der gewöhnlichen Ideen
zurück und fand einige Gemeinplätze, um wieder das
Wort nehmen zu können, begrüßte die Baronin, ihre
Tochter, die beiden Unbekannten und ging, während er
nur an das erste Glück der wahren Liebe dachte, ohne
daß er sich die kleinen Ereignisse zu erklären suchte, die
während dieses Abends unter seinen Augen vorgegangen
waren. Am folgenden Tage fühlte der junge Maler die
heißeste Sehnsucht, Adelaide wiederzusehen, und wäre
60
er seiner Leidenschaft gefolgt, so hätte er schon um 6
Uhr morgens, als er nach seiner Werkstatt eilte, seine
Nachbarinnen besucht. Er besaß indes noch Vernunft
genug, um den Nachmittag zu erwarten; sobald er aber
glaubte, bei Frau von Rouville eintreten zu dürfen, eilte
er die Treppe hinab, klingelte unter lautem Herzpochen
und bat Fräulein Leseigneur, die ihm die Tür öffnete,
schüchtern um das Bild des Barons von Rouville, wäh-
rend er errötete, wie ein junges Mädchen.
"Treten Sie doch ein!& " sagte Adelaide zu ihm, die ohne
Zweifel Hippolyt bereits die Treppe von seiner Werkstatt
herabkommen gehört und ihm entgegengeeilt war. Der
Maler folgte ihr, beschämt, außer Fassung, ohne zu wis-
sen, was er sagen sollte, vollkommen verwirrt durch das
Glück, Adelaide zu sehen, das Rauschen ihres Gewandes
zu hören, nachdem er den ganzen Morgen gewünscht
hatte, in ihrer Nähe zu sein, nachdem er sich hundertmal
erhoben hatte, um hinabzueilen& . Das Herz besitzt die
wunderbare Macht, auch den unbedeutendsten Dingen
einen außerordentlichen Wert zu verleihen. Welche
Freude ist es nicht für einen Reisenden, ein Kraut, ein
unbekanntes Blatt zu finden, nachdem er sein ganzes
Leben an eine solche Nachforschung gewagt hat! Ebenso
verhält es sich mit den Nichtigkeiten in der Liebe!
Die alte Dame war nicht in dem Salon. Als das junge
Mädchen mit dem Maler allein war, brachte es einen
Stuhl, um das Bild herabzunehmen; als es aber bemerkte,
daß es auf die Kommode treten müsse, um das Bild von
dem Nagel abzuhängen, wandte es sich an Hippolyt und
sagte errötend:
61
"Ich bin nicht groß genug& . Hätten Sie vielleicht die
Güte?"
Ein Gefühl der Scham, das sich im Ausdruck der Züge
und im Ton der Stimme Adelaidens verriet, war der wah-
re Grund ihrer Bitte; Hippolyt begriff sie und warf ihr
einen jener verständigen Blicke zu, die die süßeste Spra-
che der Liebe sind. Adelaide sah, daß sie von dem Maler
verstanden sei und schlug daher ihre Augen mit einer
Bewegung des Stolzes nieder, dessen Geheimnis allein
die jungen Mädchen besitzen.
Der Maler fand kein Wort zu sagen, war fast einge-
schüchtert und nahm das Gemälde herab, um es mit erns-
ten Blicken am Fenster zu betrachten. Dann ging er, ohne
etwas anderes zu Fräulein Leseigneur zu sagen, als: "Ich
werde es Ihnen bald wiederbringen." Beide hatten wäh-
rend dieses flüchtigen Augenblicks eine von jenen leb-
haften Herzensregungen gefühlt, deren Wirkung auf den
Geist mit jener Bewegung verglichen werden kann, die
ein Stein hervorbringt, den man in einen See wirft, die
süßesten Gedanken entstehen und folgen einander, end-
los, vielfach, ohne Ziel, und das Herz, ebenso erregt wie
jene kreisförmigen Wellen, die sich noch lange auf der
Oberfläche des Wassers zeigen und sämtlich von dem
Punkte ausgehen, wo der Stein hineingeworfen ist.
Hippolyt Schinner kehrte mit dem Bilde in seine Werk-
statt zurück. Daß eine Leinwand bereits auf der Staffelei
lag, daß die Palette bereits mit Farben bedeckt war, daß
er die Pinsel gereinigt, zurechtgelegt, und das richtige
Tageslicht gewählt hatte, brauchen wir wohl nicht erst zu
sagen. Bis zur Essenszeit arbeitete er an dem Bilde mit
62
jenem Eifer, den die Künstler bei allen ihren Launen be-
weisen. Abends besuchte er wieder die Baronin von
Rouville und blieb von neun bis elf Uhr; außer eine Ab-
wechslung in den Gegenständen der Unterhaltung, glich
dieser Abend in allem dem vorhergehenden. Die beiden
alten Herren erschienen wieder zu derselben Stunde; es
wurde abermals Pikett gespielt, dieselben Redensarten
wurden von den Spielern ausgesprochen; selbst die verlo-
rene Summe war die nämliche; nur war Hippolyt etwas
kühner und wagte mit dem jungen Mädchen zu plaudern.
So vergingen acht Tage, während deren die Gefühle des
Malers und Adelaidens jene wonnigen und süßen Umbil-
dungen erfuhren, durch die die Herzen zu einem voll-
kommenen Verständnis geführt werden. Der Blick, mit
dem Adelaide den Maler empfing, wurde von Tag zu Tag
[ Pobierz całość w formacie PDF ]